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Published by Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger
Forschung, Klinik und Gesundheitspolitik im Gespräch: Hörgang, der Podcast von Springer Medizin Wien, bringt die Menschen ans Mikrofon, die Medizin gestalten und weiterdenken. Fundierte Einblicke, spannende Geschichten und Perspektiven aus erster Hand. Das Hörgang-Team wird geleitet von Chefredakteur Martin Krenek-Burger und Johanna Wolfsberger, PhD. Für DFP-Audiofortbildung verantwortlich zeichnet Dr. Stefanie Schmellenkamp.
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Nicht jede unruhige Nacht ist eine Schlafstörung. Von einer klinisch relevanten Insomnie spricht man vor allem dann, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme auch den Tag beeinträchtigen, etwa durch Konzentrationsmangel, Reizbarkeit, Fehleranfälligkeit oder gedrückte Stimmung. Hält die Störung länger als drei Monate an, sollte die Behandlung zunächst ohne Medikamente erfolgen. Neben einem regelmäßigen Tagesrhythmus und guter Schlafhygiene gilt die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie als wichtige Behandlungsoption. Dazu kann auch eine gezielte, fachlich begleitete Verkürzung der Bettzeit gehören, um den Schlafdruck zu erhöhen. Ein Schlaflabor ist besonders sinnvoll, wenn organische Ursachen wie nächtliche Atemaussetzer oder periodische Beinbewegungen vermutet werden. Entscheidend ist, anhaltende Beschwerden ernst zu nehmen und frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen.
100 Fehler auf eine Million Behandlungen – die Medizin ist Hochrisiko- und Hochsicherheitsbereich zugleich. Doch wie kommt es trotz Patientenarmband, Seitenmarkierung und WHO-Checkliste immer wieder zu sogenannten Never-Events wie einer Seitenverwechslung? Prof. Dr. Gerald Sendlhofer, Professor für Patientinnensicherheit und Nachhaltigkeit an der Med Uni Graz, erklärt im Hörgang-Podcast, warum Routine zur Gefahr werden kann, wie KI künftig Medikationsfehler verhindern soll und weshalb eine offene Fehlerkultur im OP-Team über Sicherheit entscheidet.
Pflege am Limit: „Es gibt nicht den einen Hebel“ Bis 2030 fehlen in Österreich bis zu 100.000 Pflegekräfte – zugleich steigt die Zahl der über 85-Jährigen um fast die Hälfte. Zwei Kurven, die auseinanderklaffen wie eine Schere. Über diese Lücke spricht Sabine Pleschberger, Professorin für Pflegewissenschaft an der MedUni Wien, im Hörgang. Pleschberger warnt vor Alarmismus, beschönigt aber nichts: Der Notstand ist längst Alltag. Wer Pflege braucht, hört heute je nach Wohnort „Wir schicken morgen jemanden“ – oder „Wir können niemanden schicken.“ Ein Drittel der aktiven Kräfte geht bis 2030 in Pension und nimmt sein Erfahrungswissen mit. Menschen frühzeitig zu verlieren, sei ein Alarmsignal: „Da sollten alle Alarmglocken schrillen.“ Auffällig: 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, rund eine Million Angehörige leisten diese Arbeit – oft zwischen Beruf und Familie zerrieben. Pleschbergers Antwort heißt Denken in Netzwerken: Caring Communities, Community Nursing, der „achtsame Bezirk“. Doch solche Modelle leben von befristeten Projekten. Es fehle politisches Commitment für dauerhafte Strukturen. Ihr Befund zum Berufsbild ist klar: Das Klischee der „Krankenschwester“ als Assistenzberuf hält sich hartnäckig – und steht der Anerkennung als eigenständige Gesundheitsprofession im Weg. Ihr Lösungsansatz sind die drei R: Recruit, Retain, Reform. Menschen gewinnen, sie im System halten, das System reformieren. Denn den einen Hebel, sagt sie, gibt es nicht – aber viele, die man klug verknoten muss.
Kreuzbandverletzungen zählen weiter zu den gefürchtetsten Diagnosen im Sport. Gleichzeitig wandelt sich die Behandlung grundlegend. „Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem nicht mehr jeder Kreuzbandriss operiert werden muss“, sagt Sportorthopäde Patrick Weninger. Moderne Verfahren der regenerativen Medizin mit Stammzellen können in ausgewählten Fällen die Heilung des eigenen Bandes fördern. Als Hauptursache nennt Weninger nicht den Gegnerkontakt, sondern unkontrollierte Rotationsbewegungen. Zudem beobachtet er eine steigende Verletzungsanfälligkeit im Profifußball, weil Spielpläne dichter werden und Erholungszeiten schrumpfen. Künstliche Intelligenz könnte künftig helfen, die optimale Therapie noch präziser vorherzusagen.
Der Pilz ist derselbe. Verändert hat sich der Mensch. Weil Ärzte heute gezielter in das Immunsystem eingreifen und Schwerkranke länger leben, wächst die Zahl jener, denen gewöhnliche Umweltpilze gefährlich werden können. Besonders bedroht sind Menschen unter Langzeit-Cortison, bestimmten Krebstherapien oder nach Virusinfektionen. Häufige Erreger sind Aspergillus, seltener Fusarium und andere Schimmelpilze. Ihre natürliche Widerstandskraft macht die Behandlung schwierig; wirksame Antimykotika sind rar. Auch die Erderwärmung könnte das Problem verschärfen: Wärmeliebende Pilze breiten sich aus, bislang fremde Mykosen könnten in Europa heimisch werden. Lass-Flörl fordert deshalb Überwachung, Prävention und gezielte Aufklärung. Für Gesunde gilt aber: Wald, Garten und Boden sind keine Gefahr. Die Umwelt müsse nicht steril sein.
Walking Football: Fußball ohne Sprint, aber mit großer Wirkung: Gehen statt laufen, passen statt hetzen: Walking Football bringt Menschen zurück auf den Platz, die sich klassischen Fußball nicht mehr zutrauen. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen über 50 sowie an Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Entscheidend ist nicht das frühere Leistungsniveau, sondern die Freude am Ball. Im Podcast erzählt der Journalist und Autor Uwe Mauch, wie Walking Football seine körperliche und mentale Verfassung verändert hat. Auch Anfänger finden Zugang zum Spiel. Einer seiner Mitspieler begann mit 67 Jahren – ohne je zuvor Fußball gespielt zu haben. Andere berichten von sichereren Schritten, besserem Gleichgewicht und mehr Beweglichkeit im Alltag. Wunder verspricht Mauch nicht. Wer Gelenk- oder Lungenprobleme hat, muss die eigenen Grenzen kennen und sollte Beschwerden medizinisch abklären. Mindestens ebenso wichtig wie das Training ist die „dritte Halbzeit“. Beim gemeinsamen Essen, Trinken und Reisen entstehen Kontakte und Freundschaften. So wird Walking Football zum Gesundheitssport gegen Bewegungsmangel und soziale Isolation. Der schwierigste Schritt bleibt der erste: zum Training zu kommen. Danach, sagt Mauch, bleiben viele dabei
Hepatitis zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit – und bleibt doch oft lange unentdeckt. Im Hörgang der MedUni Graz erklärt die Hepatologin Vanessa Stadlbauer-Köllner, warum insbesondere Hepatitis B und C noch immer ein großes Gesundheitsproblem darstellen. Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Infektion, weil die Erkrankung oft jahrelang ohne klare Symptome verläuft. Dabei können die Folgen schwerwiegend sein: Leberzirrhose, Leberkrebs und andere Komplikationen. Die Expertin spricht über aktuelle Entwicklungen bei Prävention und Therapie, über wirksame Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie über die nahezu vollständige Heilbarkeit von Hepatitis C. Zudem zeigt sie, warum flächendeckende Tests und bessere Gesundheitskommunikation entscheidend sind. Eine Folge über eine stille Krankheit, die jeden treffen kann – und über die Chancen, sie rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Der Götterbaum galt lange als unauffälliger Stadtbaum. Doch das könnte sich ändern. Forschende des Pollenservice der MedUni Wien warnen: Der invasive Neophyt produziert zunehmend allergene Pollen – begünstigt durch steigende Temperaturen und mehr Sonnenstunden.
Ein paar Tropfen Blut aus der Ferse eines Neugeborenen können heute den entscheidenden Unterschied machen. Das österreichische Neugeborenen-Screening erkennt schwere angeborene Erkrankungen, bevor erste Symptome auftreten. 1966 begann die MedUni Wien mit der Untersuchung auf eine einzige Stoffwechselerkrankung. Heute zählt das Programm zu den fortschrittlichsten Screening-Programmen Europas. Jährlich untersucht Österreich rund 90.000 Neugeborene. Bei mehr als 100 Kindern entdecken Ärzte dabei Erkrankungen, die ohne Früherkennung erst viel später auffallen würden – mit gravierenden Folgen. „Frühdiagnose führt zu Frühbehandlung – und eine frühe Behandlung ist üblicherweise die beste Behandlung“, erklären Dr. Vasiliki Konstantopoulou und Privatdozent Dr. Maximilian Zeyda aus dem Neugeborenen-Screening-Zentrum der MedUni Wien. Das Ziel ist Prävention: Krankheiten sollen erkannt und behandelt werden, bevor sie Schaden anrichten. Besonders deutlich zeigt sich das bei der spinalen Muskelatrophie (SMA). Diese Erkrankung galt früher als schwerwiegend und oft lebensverkürzend. Durch frühe Diagnose und moderne Therapien, darunter Gentherapien, haben betroffene Kinder heute deutlich bessere Chancen auf eine nahezu normale Entwicklung. Medizinische und technologische Meilensteine prägten den Weg dorthin. Die Einführung der Tandem-Massenspektrometrie Anfang der 2000er-Jahre ermöglichte es, mit einer einzigen Blutprobe zahlreiche Stoffwechselerkrankungen gleichzeitig zu erkennen. Heute umfasst das Screening in Österreich rund 30 Erkrankungen, darunter auch SMA und primäre Immundefekte. Hinter jedem auffälligen Befund stehen Familien, die schnell Unterstützung brauchen. Bei einem Verdacht übernehmen spezialisierte Teams die Betreuung: Kinderärzte, Stoffwechselmediziner, Neuropädiater, Psychologen und weitere Experten arbeiten zusammen, um rasch Klarheit zu schaffen und – wenn nötig – sofort mit einer Therapie zu beginnen. Österreich gilt international als Vorreiter. Ein entscheidender Faktor ist laut den Experten die enge Verbindung von Forschung, Klinik und Labor an der MedUni Wien. Rund 99,5 Prozent der Familien nehmen das Angebot wahr. Damit erreicht das Screening nahezu jedes in Österreich geborene Kind. Die Entwicklung geht weiter. Neue Therapien, insbesondere Gentherapien, eröffnen Möglichkeiten für Erkrankungen, die bislang schwer oder erst spät erkannt wurden. Als mögliche nächste Erweiterung stehen unter anderem lysosomale Speicherkrankheiten im Fokus. Gleichzeitig bleibt der Umgang mit neuen genetischen Möglichkeiten eine ethische Herausforderung: Ein umfassendes Genom-Screening bei allen Neugeborenen ist derzeit noch Zukunftsmusik. Die Vision für die kommenden Jahre ist klar: Das Screening soll dort erweitert werden, wo medizinischer Nutzen, technische Möglichkeiten und ethische Fragen eindeutig geklärt sind. Entscheidend bleiben dabei Ressourcen und die Orientierung an einem Grundsatz: Jedes Kind zählt. Die Botschaft der Experten an Eltern ist eindeutig: Das Neugeborenen-Screening ist sicher, unkompliziert und kann entscheidend dazu beitragen, Kindern einen gesünderen Start ins Leben zu ermöglichen. Was vor 60 Jahren mit einem einfachen Bluttest begann, ist heute ein Beispiel dafür, wie moderne Medizin durch Prävention Leben verändern kann.
Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich über Jahre unbemerkt. Besonders Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und Rauchen belasten das Herz langfristig. Kardiologe Prof. Dr. Andreas Zirlik von der MedUni Graz betont, dass Prävention der beste Schutz ist: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung können das Risiko deutlich senken. Bereits 30 Minuten körperliche Aktivität an vier bis sechs Tagen pro Woche wirken positiv auf die Herzgesundheit. Wichtig ist zudem, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, da sie oft lange keine Beschwerden verursachen. Herzgesundheit beginnt nicht in der Klinik, sondern im Alltag.
Die meisten Menschen denken erst dann an ihre Halsschlagader, wenn etwas passiert ist. Dabei kann gerade dieses Gefäß früh zeigen, wie gesund das gesamte Gefäßsystem noch ist. Fachleute sprechen deshalb von einem „Fenster zum Gehirn“: Mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung lassen sich Veränderungen erkennen, lange bevor Beschwerden auftreten.
Junge Frauen suchen heute auf TikTok, Instagram und Google nach Antworten zu Körper, Verhütung und Sexualität. Fehlinformationen und schlechte Erfahrungen bei Arztbesuchen verunsichern sie jedoch häufig. Die niederösterreichische Gynäkologin Kehinde Wewe klärt deshalb über einen Podcast und Social Media evidenzbasiert auf. Sie vermittelt die Informationen verständlich, modern und lebensnah.
Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt für die Spieler lange vor dem Anpfiff. Reisen, Zeitverschiebung und Klima bringen den Körper aus dem Takt. Herzfrequenz und Stresshormone steigen, der Schlaf leidet. Der sogenannte „Turnierkörper“ beschreibt diesen Zustand: Selbst Top-Athleten bleiben zunächst unter ihrem Niveau. Erst nach zehn bis vierzehn Tagen stellt sich Gleichgewicht ein – wer das unterschätzt, verliert Leistung. Hitze wirkt dabei komplex. Nicht nur Temperatur, auch Luftfeuchtigkeit und Sonne belasten den Kreislauf. Der Körper kühlt, verliert Flüssigkeit – die Folgen sind schwere Beine, langsame Sprints, ungenaue Pässe. Erst mit gelungener Akklimatisierung kommt Tempo ins Spiel. Am Spielfeldrand zählt Präzision. Teamärzte erkennen Verletzungen oft aus der Distanz, handeln schnell und gezielt. Minuten entscheiden, ob ein Spieler weitermachen kann. Auch Ernährung ist Strategie. Alles ist geplant: Kohlenhydrate für Energie, Proteine für Muskeln, Fette gegen Entzündungen. Problematisch ist oft der Darm, der auf Reise und Stress sensibel reagiert. Deshalb setzen Teams auf vertraute Lebensmittel – „Food first“, Supplements nur ergänzend. Einfach, aber entscheidend ist die Hydration. Die Urinfarbe zeigt den Zustand: hell gut, dunkel kritisch. Trinkpausen sind daher Schutz, nicht Luxus. Neben dem Körper spielt der Kopf eine große Rolle. Druck, Erwartungen und Schlafprobleme beeinflussen die Leistung. Vertrauen im Team hilft – mentale Stärke entscheidet oft mit. Favoriten kämpfen mit Druck, Außenseiter mit Unsicherheit. Langfristig zeigt sich: Fußball kann das Leben verlängern, birgt aber Risiken wie Gelenkschäden oder Demenz durch Kopfbelastung. Für den Alltag bleibt: Bewegung, Krafttraining, Schlaf, gute Ernährung, wenig Alkohol und stabile soziale Kontakte verlängern vor allem die gesunden Jahre. Fazit: Die WM wird im Körper entschieden. Anpassung zählt oft mehr als Talent.
Das Interview mit dem Grazer Infektiologen Robert Krause beleuchtet die oft unterschätzte Gefahr von Hantavirus-Infektionen. Diese Infektionen werden vor allem durch aufgewirbelten Staub mit kontaminiertem Nagetierkot übertragen. Ein Fallbeispiel eines Landwirts zeigt, wie schnell eine alltägliche Tätigkeit zum Gesundheitsrisiko werden kann. Besonders im Frühling steigt die Gefahr, da trockene Bedingungen die Verbreitung virushaltiger Partikel begünstigen. Krause erklärt, dass die in Österreich vorkommende Virusvariante meist nicht tödlich ist, aber dennoch schwere Krankheitsverläufe verursachen kann. „Der Staub war kontaminiert mit dem Kot einer Mausart“, betont er und verweist auf die Rötelmaus als Hauptüberträger. Typische Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu Nierenproblemen. Wichtig sei daher Prävention. Schutzmaßnahmen wie das Befeuchten staubiger Flächen und das Tragen von Masken können das Infektionsrisiko deutlich reduzieren.
Schwangerschaftsdiabetes betrifft in Österreich etwa jede zehnte werdende Mutter. Die Diagnose trifft oft unerwartet – und doch fällt sie in eine kritische Phase. Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wird die Grundlage für die Gesundheit des Kindes gelegt, nicht nur für die Geburt, sondern oft für viele Jahre danach. „Ein erhöhter Blutzucker der Mutter gelangt direkt zum Kind“, erläutert Prof. Christian Göbl von der MedUni Wien. Das ungeborene Kind reagiert darauf mit einer verstärkten Insulinproduktion, wächst schneller als gewöhnlich und hat dadurch ein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen wie Schulterdystokie oder Unterzuckerung nach der Geburt. Die wichtigsten Risikofaktoren sind ein höheres mütterliches Alter, genetische Veranlagung und vor allem Übergewicht zu Beginn der Schwangerschaft. Doch Gestationsdiabetes ist in vielen Fällen gut behandelbar. Etwa zwei Drittel der Betroffenen können ihre Blutzuckerwerte allein durch gezielte Ernährungsanpassungen und Bewegung stabilisieren. Medikamente sind oft nicht erforderlich. Ein bedeutender Fortschritt liegt in der Individualisierung der Betreuung. Göbls Forschung zeigt: Schwangerschaftsdiabetes ist keine einheitliche Erkrankung. Anhand einfacher klinischer Daten lassen sich unterschiedliche Verlaufsformen erkennen – mit jeweils unterschiedlichen Risiken und Therapiebedarfen. Zusätzlich revolutioniert die kontinuierliche Glukosemessung die Versorgung. Statt einzelner Stichmessungen sehen Frauen ihre Werte rund um die Uhr. Das schafft Verständnis, Sicherheit und die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern. Schwangerschaftsdiabetes ist damit kein unabwendbares Schicksal mehr, sondern eine gut steuerbare Herausforderung – vorausgesetzt, er wird früh erkannt und ernst genommen.
Die Hörgang Episode 402 führt in die faszinierende Welt der Wiener Medizin um 1900 und beleuchtet Persönlichkeiten, deren Geschichten oft im Schatten ihrer wissenschaftlichen Leistungen stehen. Ausgangspunkt ist ein berühmtes Zitat von Johann Schnitzler: Ein Schnupfen dauert unbehandelt sieben Tage – behandelt eine Woche. Humorvoll und bis heute aktuell, zeigt es, wie zeitlos medizinische Beobachtungen sein können. Im Gespräch mit Genealogen Georg Gaugusch werden fünf Ärzte näher betrachtet, darunter Josef Halban, Leopold Wittelshöfer und Robert Bárány. Dabei wird deutlich, wie eng Medizin, Gesellschaft und Politik miteinander verwoben waren. Viele dieser Mediziner stammten aus weit verzweigten Familiennetzwerken der Donaumonarchie, die Bildung und Aufstieg ermöglichten. Gleichzeitig offenbaren sich gesellschaftliche Spannungen: Antisemitismus, bürokratische Hürden und Konkurrenzkämpfe prägten Karrieren. Trotz herausragender Leistungen wurden viele benachteiligt oder zur Emigration gezwungen. Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie Wien einst ein Zentrum medizinischer Innovation war – und wie politische Entwicklungen diesen Reichtum gefährdeten. Ein hörenswerter Beitrag über Wissenschaft, Geschichte und die Menschen dahinter.
In dieser Podcast-Episode erklärt die Evolutionsbiologin Dr. Barbara Fischer die spannende Herausforderung der menschlichen Geburt: das Verhältnis von Kopfgröße Neugeborener zum mütterlichen Becken. Obwohl die Evolution erstaunliche Anpassungen hervorgebracht hat, ist der menschliche Geburtsprozess ein Kompromiss – kein perfektes Design. Neugeborene kommen mit flexiblen Schädelplatten zur Welt, die sich bei der Passage durch den Geburtskanal leicht komprimieren lassen, während das mütterliche Becken durch Gelenke minimal erweiterbar ist. Dr. Fischer erläutert, dass größere Köpfe evolutionär Vorteile für kognitive Fähigkeiten bringen, aber zu groß für den Geburtskanal werden können, was früher die Überlebenschancen reduzierte. Moderne Geburtshilfe, insbesondere Kaiserschnitte, ermöglicht es heute, diesen evolutionären Engpass zu überwinden. Gleichzeitig sind die Beckendimensionen ein Kompromiss zwischen Geburtsfähigkeit und Stabilität für den aufrechten Gang sowie für den Beckenboden, der für die Organfunktion entscheidend ist. Die Expertin betont auch, dass äußere Schönheitsideale oder Körpergröße nur bedingt Rückschlüsse auf die inneren Beckendurchmesser zulassen. Evolutionäre Selektionsdrücke haben über Jahrtausende ein Gleichgewicht geschaffen, das teilweise durch medizinische Eingriffe ergänzt wird. Die Mobilität des Beckens und gezielte Übungen können den Geburtsprozess unterstützen, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit von sicheren medizinischen Eingriffen, wenn die Natur an ihre Grenzen stößt.
Die Zukunft der klinischen Forschung in Österreich nimmt zunehmend konkrete Formen an. Moderne Forschungszentren, die derzeit an der MedUni Wien entstehen, sollen den Weg von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur praktischen Anwendung deutlich verkürzen. Ziel ist es, neue Therapien schneller, sicherer und individueller zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Das sagt Prof. Dr. Markus Zeitlinger, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, im Gespräch mit Springer-Podcast-Chef Martin Krenek-Burger. Ein wesentlicher Fortschritt liegt demnach in der engeren Verzahnung von Forschung und Klinik. Früher fanden Studien oft isoliert statt. Neue Strukturen ermöglichen nun eine direkte Integration in den medizinischen Alltag. Patientinnen und Patienten können dadurch frühzeitig von innovativen Behandlungsmethoden profitieren, oft lange bevor diese zum allgemeinen Standard werden. Besonders wichtig sind dabei die Phase-1- und Phase-2-Forschung. In diesen Phasen testen Forscher neue Medikamente erstmals am Menschen und überprüfen ihre Wirksamkeit. Dank moderner Technologien, wie bildgebender Verfahren und molekularer Analysen, lassen sich Therapien heute präziser an individuelle Bedürfnisse anpassen. Vertrauen bleibt ein entscheidender Faktor. Klinische Studien unterliegen strengen ethischen und rechtlichen Vorgaben. Transparenz, Aufklärung und die aktive Einbindung der Patientinnen und Patienten sind unerlässlich, um Vorbehalte abzubauen. Die Lehre aus der Vergangenheit ist klar: Fortschritt in der Medizin entsteht durch Forschung. Je effizienter diese organisiert ist, desto schneller profitieren alle davon. Die Medizin von morgen beginnt daher schon heute.
Die Krebsmedizin steht vor einem Wendepunkt: Die Liquid Biopsy könnte Tumore früher erkennen als bisherige Methoden. Besonders bei aggressiven Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte dies entscheidend sein. Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tückischsten Krebsarten. Der Tumor wächst oft unbemerkt, zeigt kaum Symptome und wird meist spät entdeckt. Dann ist Heilung oft nicht mehr möglich, was die Überlebensrate senkt. Ein weiteres Problem ist die Biologie des Tumors. Er bildet früh Metastasen und schafft ein Umfeld, das das Immunsystem hemmt und Therapien erschwert. Hier greift die Liquid Biopsy. Statt Gewebeproben analysiert man Blutproben, um Tumorspuren wie zirkulierende Tumor-DNA oder Krebszellen zu finden. Der große Vorteil: - Nicht-invasiv (keine Operation nötig) - Wiederholbar (Verlaufskontrolle möglich) - Ganzheitlicher Blick auf den Tumor Diese Methode könnte nicht nur bei der Diagnose helfen, sondern auch Therapien individueller gestalten und deren Erfolg überwachen. Trotz der vielversprechenden Technologie gibt es Hürden. Für den Einsatz als Screening-Test bei Gesunden muss sie extrem zuverlässig sein. Ein zentrales Problem: - Falsch-positive Ergebnisse könnten unnötige Angst und belastende Untersuchungen auslösen - Kleinste Tumorsignale müssen sicher erkannt werden Gerade bei seltenen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs ist das Verhältnis von Nutzen und Aufwand kritisch. Derzeit arbeitet man intensiv an Multi-Cancer-Tests, die mehrere Krebsarten gleichzeitig erkennen sollen. Erste Studien zeigen, dass sogar frühe Tumorstadien detektierbar sind, doch es besteht noch Verbesserungsbedarf bei Genauigkeit und Sensitivität. Ein vielversprechender Ansatz ist die Kombination von Liquid Biopsy mit künstlicher Intelligenz. Durch die Analyse komplexer Datenmuster könnten Tumorsignale präziser identifiziert werden. Die Liquid Biopsy könnte die Krebsdiagnostik revolutionieren. Vor allem bei schwer erkennbaren Tumoren wie Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte sie Leben retten. Bis zur breiten Anwendung im Gesundheitssystem wird es jedoch noch Jahre dauern. Entscheidend wird sein, dass die Tests nicht nur technisch funktionieren, sondern auch die Überlebenschancen nachweislich verbessern. Die Vision bleibt klar: Ein einfacher Bluttest als Teil der Vorsorgeuntersuchung – und Krebs wird erkannt, bevor er zur Gefahr wird.
Gustav Klimt, bekannt als Maler des Goldes und der Sinnlichkeit, zeigt sich in einer neuen Sonder-Ausstellung im Wiener Josephinum von einer anderen Seite: als präziser Beobachter der Medizin. Die Schau verdeutlicht die enge Verbindung von Kunst und Wissenschaft um 1900. Klimt studierte Anatomie, schaute durch Mikroskope und ließ sich von Zellen, Gewebe und Körperformen inspirieren. Was er sah, verwandelte er in Kunst. Seine Werke erzählen nicht nur von Schönheit, sondern auch von Vergänglichkeit. Geburt, Krankheit und Tod stehen gleichberechtigt nebeneinander. Gerade das machte ihn zum Skandal. Sein Fakultätsbild „Medizin“ widersprach den Erwartungen. Statt Fortschritt zeigte er die Zerbrechlichkeit des Menschen. Auftraggeber waren irritiert, das Werk wurde abgelehnt. Heute wirkt dieser Blick modern. Die Ausstellung ordnet Klimt in seine Zeit ein: Wien als „Labor der Moderne“, in dem Ärzte, Künstler und Denker im Austausch standen. Anatomie war nicht nur Wissenschaft, sondern auch Quelle der Ästhetik. Das Josephinum, selbst ein Ort medizinischer Geschichte, wird so zum idealen Schauplatz. Die Botschaft ist klar: Klimt war mehr als ein Maler schöner Oberflächen. Er zeigte das ganze Leben – in seiner Härte und seiner Wahrheit. Die Ausstellung ordnet Klimt in seine Zeit ein: Wien als „Labor der Moderne“, in dem Ärzte, Künstler und Denker im Austausch standen. Anatomie war nicht nur Wissenschaft, sondern auch Quelle der Ästhetik. Das Josephinum, selbst ein Ort medizinischer Geschichte, wird so zum idealen Schauplatz. Das Interview mit der Direktorin der Sammlungen der MedUni Wien, Dr. Christiane Druml, führt Martin Krenek-Burger. Die Botschaft ist klar: Klimt war mehr als ein Maler schöner Oberflächen. Er zeigte das ganze Leben – in seiner Härte und seiner Wahrheit.
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Observed September 20, 2026.
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